Das Beziehungsmodell bewusster wählen – diese 5 Fragen haben mir dabei geholfen
- 22. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Zugegeben, ich habe die radikale Variante gewählt und verschiedene Beziehungsmodelle ausgetestet, um das passende für mich zu finden, aber du kannst eine Abkürzung wählen. Denn während der Zeit, in der mein Mann und ich eine offene Beziehung hatten, waren es die folgenden Fragen, über die ich Klarheit erlangt habe und die mir schlussendlich bei der bewussten Wahl meines jetzigen Beziehungsmodells geholfen haben.

1. Was sind meine Bedürfnisse in einer Beziehung?
Ich wusste immer nur, dass ich mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann, was aber meine genauen Bedürfnisse waren, war mir gar nicht richtig klar. Dass diese zum Beispiel vielleicht doch eher gegen Polyamorie oder eine offene Beziehung sprechen könnten, obwohl ich in der Lage dazu bin, zu mehreren Menschen gleichzeitig eine emotionale Verbindung aufzubauen, habe ich erst währenddessen verstanden. Denn mein Bedürfnis nach einem stabilen Fundament mit meinem Herzensmenschen spricht zum Beispiel gegen eine nicht hierarchische Triade.
Frag dich nicht, was du dir wünschst, sondern: Was brauchst du, damit du dich in einer Beziehung sicher und wohl fühlst – und was passiert, wenn das fehlt?
2. Was sind meine Grenzen in einer Beziehung?
Wo fangen meine Grenzen an und wo hören sie auf? Diese Fragen habe ich mir erst im Laufe des Prozesses meiner Beziehungsöffnung gestellt. Hätte ich mich schon früher damit auseinandergesetzt, hätte ich vielleicht gewusst, dass ich meine Grenzen besser schrittweise und nicht alle auf einmal hätte aufweichen sollen, damit mein Nervensystem mitkommt. Ich wäre vielleicht auch nicht so oft über meine Grenzen gegangen.
Welche Grenze würdest du zuerst aufweichen, wenn du es ausprobieren wolltest – und woran würdest du merken, dass du zu weit gegangen bist?
3. Wo liegen Ängste und was sind mögliche Beziehungsthemen von mir?
Vielleicht lassen sich die Fragen erst richtig beantworten, wenn du mitten im Prozess einer Änderung steckst, vielleicht kannst du diese Fragen aber auch schon vorher beantworten. Mir persönlich war gar nicht klar, wie viele Ängste in mir schlummerten und welche Themen immer noch unterdrückt darauf warteten, an die Oberfläche zu kommen. Bei mir sind Verlustängste jeglicher Art, die Angst vor dem Schicksal und die Angst davor, Menschen, die ich liebe, zu verletzen, hochgekommen. Vielleicht wäre mein Umgang mit den Ängsten ein anderer gewesen, weniger reaktiv und mehr proaktiv, wenn mir diese Ängste bereits bewusst gewesen wären.
Und hätte ich mich besser mit meinen Themen aus meiner ersten Beziehung auseinandergesetzt, dann hätte mir klar sein können, dass Eifersucht durchaus immer noch eine Rolle spielt, wenn mehr als ein Mensch im Beziehungsgame ist.
Wenn du dir vorstellst, dein Mensch verliebt sich in jemand anderen – welches Gefühl kommt zuerst, und woher kennst du es schon?
4. Wie reagiert und funktioniert mein Nervensystem?
Mit meinem Nervensystem hatte ich mich vorher noch nie so richtig auseinandergesetzt. Ich wusste nicht, was es zum Eskalieren bringt, was mir gut tut und was nicht. In der Phase der geöffneten Beziehung ist mir mein Nervensystem dann unkontrolliert um die Ohren geflogen. Mein Körper hat so extrem reagiert, dass ich eine Gürtelrose entwickelt habe und meine Schilddrüse kurz wieder in den Alarmzustand gegangen ist. Was hätte besser laufen können? Ich hätte meinem Körper und meinem Nervensystem schon früher bewusst Beachtung schenken können. Dann hätte ich vielleicht besser einschätzen können, was mein Nervensystem aushält und was nicht. Oder zumindest hätte ich währenddessen schneller auf meinen Körper reagieren können.
Wie hat dein Körper das letzte Mal reagiert, als du dich in einer Beziehung unsicher gefühlt hast – Schlaf, Magen, Haut, Anspannung?
5. Welche Werte sind für mich unverhandelbar?
Mir war zum Beispiel absolut nicht bewusst, dass ich die Sicherheit des Fundaments, das ich mit meinem Mann habe, niemals aufgeben würde. Oder wie wichtig mir offene, direkte und ehrliche Kommunikation ist – und zwar nicht nur zwischen mir und meinen Herzensmenschen, sondern auch unter meinen Herzensmenschen selbst – und wie schwer es mir fällt, wenn Themen unausgesprochen im Raum stehen. Die eigenen Werte zu kennen hilft enorm dabei, wenn du herausfinden möchtest, welches Beziehungsmodell das richtige sein könnte.
Was würdest du auch dann nicht aufgeben, wenn du dafür einen Menschen verlieren würdest, den du liebst?
Das Beziehungsmodell bewusster wählen – die Fragen sind nur der Anfang
Natürlich dienen diese Fragen nur als Einstieg und manche Aspekte kommen erst beim Ausprobieren an die Oberfläche. Wenn du aber eine grobe Ahnung hast, wie die Antworten auf diese Fragen lauten können, fällt es während des Prozesses leichter, die Antworten zu konkretisieren und für sich einzuordnen. Das hat zur Folge, dass du die eigene Beziehung und das Beziehungsmodell schneller bewusster wählen kannst.
Meine persönlichen Antworten auf diese Fragen haben dazu geführt, dass ich zur Monogamie zurückgekehrt bin – diesmal allerdings bewusst gewählt statt unbewusst übernommen. Und das fühlt sich komplett anders an.
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