Jemanden lieben, aber nicht zusammen sein können: Wenn Liebe nicht das Problem ist
- 1. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Oft genug denken wir, dass mit uns etwas nicht stimmt. Dass, wenn wir uns nur ein bisschen mehr anstrengen, anpassen oder Kompromisse eingehen, alles gut werden wird. Dass die Liebe immer siegt.
Aber manchmal dürfen wir auch zu der Erkenntnis gelangen, dass Liebe eben nicht das Problem ist. Dass andere Faktoren es schlichtweg unmöglich machen können, mit dem Menschen zusammen zu sein, den wir lieben. Und davon gibt es mehr, als wir vielleicht zunächst annehmen.

Jemanden lieben, aber nicht zusammen sein können – viele von uns kennen es
Es ist schmerzhaft. Es ist alles andere als leicht. Und ganz sicher nicht das, was wir uns wünschen: jemanden zu lieben, aber nicht mit diesem Menschen zusammen sein zu können. Und es kommt gar nicht mal so selten vor. Von der unerwiderten Liebe als Teenager, über die unterschiedlichen Vorstellungen von der Zukunft bis hin zu toxischen Mustern – im Folgenden schreibe ich über 12 mögliche Gründe.
Die Liebe wird (so) nicht erwidert
Der Klassiker: Wir kommen in die Pubertät und sind das erste Mal so richtig verliebt. Dass wir uns oft an Menschen orientieren, die für uns unerreichbar sind – sei es, weil sie eine oder mehrere Jahrgangsstufen über uns sind, prominente Menschen oder andere Menschen, die wir anhimmeln – kommt häufig vor. Wir baden in unseren Gefühlen, aber erwidert werden sie nicht. Dies beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Pubertät, denn auch im weiteren Leben kann es passieren, dass wir Menschen lieben, die unsere Liebe so nicht erwidern.
Der andere Mensch ist nicht verfügbar
Vielleicht würde der Mensch sogar unsere Liebe erwidern, aber er ist schlichtweg nicht verfügbar. Sei es, dass er anderweitig monogam vergeben ist oder er erst gar nichts von uns weiß und wir ihn nicht erreichen können.
Die äußeren Umstände machen es unmöglich
Manchmal machen es die äußeren Umstände unmöglich, mit jemandem zusammen zu sein. Es kann sein, dass die Entfernung eine Beziehung verhindert. Oder dass die aktuelle Lebensstruktur gerade keine Kapazitäten für einen festen Menschen im Leben hat.
Ihr steht gerade an zu unterschiedlichen Punkten im Leben
Für manche Beziehungen ist es schlichtweg das falsche Timing. Ähnlich wie bei den äußeren Umständen sind es auch hier objektive Gründe, die einer Beziehung im Weg stehen. Manchmal kann sich dies mit der Zeit ändern, manchmal liegt der richtige Zeitpunkt bereits in der Vergangenheit.
Eure Bedürfnisse passen nicht zusammen
Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse – und manche passen einfach nicht zusammen. Wenn ein Mensch das Bedürfnis nach ganz viel Freiheit hat, kann eine Beziehung schwierig werden, wenn der andere Mensch das Bedürfnis nach ganz viel Nähe und Sicherheit hat. Der eine will spontan das Zelt ins Auto werfen und losfahren, der andere braucht den Sonntag zu zweit auf dem Sofa, um sich sicher zu fühlen. Beides ist richtig. Nur eben nicht immer miteinander. Die eigenen Bedürfnisse sind nicht verhandelbar und manchmal einfach nicht kompatibel – egal, wie sehr man den Menschen liebt. Und am Ende dürfen wir wählen, ob wir uns für den anderen Menschen kleiner machen – oder eben nicht.
Eure Grundwerte passen nicht zusammen
Grundwerte entstehen dadurch, wie wir aufwachsen, in welcher Kultur wir groß werden und wohin wir uns im späteren Leben entwickeln. Sie basieren auf unserer Persönlichkeit – und sie sind etwas, das zusammenpassen sollte. Sonst sorgen sie immer wieder für Konflikte. Vielleicht sind Direktheit und Offenheit für dich das Fundament von allem, während der andere Mensch erstmal still im Inneren sortiert, bevor er sich öffnet. Oder du willst dein Leben einfach und bewusst führen, und für ihn misst sich Erfolg an dem, was am Ende auf dem Konto steht.
Ihr habt unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft
Ein häufiger Trennungsgrund: Der eine Mensch hat einen Kinderwunsch, der andere nicht. Oder vielleicht sehnst du dich auch nach einem Leben auf dem Land mit Tieren und Weite, während der andere die Stadt zum Atmen braucht. Vielleicht will der eine Wurzeln schlagen, der andere aber in Bewegung bleiben. Und wenngleich sich diese oder andere Zukunftsvorstellungen im weiteren Leben und Zusammenleben verändern und sich annähern können, ist die Grundlage für eine glückliche Beziehung ungleich schwieriger und vielleicht nur auf Zeit ausgelegt. Du wählst – im besten Fall deine eigene Zukunft, im schlechtesten Fall einen Kompromiss, der niemanden glücklich macht.
Ihr habt euch auseinander entwickelt
Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir uns weiter. Der eine Mensch schneller als der andere, manche auch gar nicht, und alles ist vollkommen in Ordnung. Doch kann es bei zwei Menschen passieren, dass sie sich zu unterschiedlich schnell und damit auseinander entwickeln. Dann schwingen sie nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge und eine gesunde Kommunikation und das gemeinsame Leben können komplizierter werden. Weil man sich einfach nicht mehr versteht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Du liebst mehr als einen Menschen
Es muss nicht unbedingt zum Problem werden, wenn du mehr als einen Menschen gleichzeitig liebst, kann es aber, wenn euer gewünschtes Beziehungsmodell das nicht hergibt. Habt ihr euch für ein monogames Beziehungsmodell entschieden und wollt dieses auch nicht öffnen, kannst du noch so viele Menschen lieben – dein Fokus wird auf einem bleiben. Das macht die Liebe zu dem oder den anderen Menschen nicht kleiner oder weniger real, aber zu einer Beziehung kann es dann aus strukturellen Gründen nicht kommen.
Eure Dynamik ist nicht gesund
Zwischen manchen Menschen ist die Dynamik einfach nicht gesund. Manche Menschen tragen Muster in sich, die die Liebe toxisch werden lassen. Oder ihr tragt beide Muster oder Traumata in euch, die sich gegenseitig so beeinflussen, dass ein sicher gebundenes Miteinander nicht möglich ist.
Ein kurzer ehrlicher Hinweis an dieser Stelle: Es gibt einen Unterschied zwischen einer Dynamik, die euch beiden nicht guttut und einer, in der du dich nicht mehr sicher fühlst. Wenn du körperliche oder psychische Gewalt erlebst, liegt das nie an deiner Liebe – und du musst da auch nicht alleine durch. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar: 116 016 oder online unter www.hilfetelefon.de. Die Beratung ist vertraulich, auf Wunsch anonym und steht auch Angehörigen und dem sozialen Umfeld offen.
Du würdest dich selbst verlieren
Es ist vollkommen legitim und gesund, für jemand anderes da zu sein, sich zu kümmern und zu unterstützen. Kritisch wird es, wenn du beginnst, dich dabei selbst zu verlieren. Dann darfst du wieder anfangen, mehr an dich zu denken. Und ist dies ein Dauerzustand, dass du nicht mehr du selbst sein kannst, dann ist das ein Grund zu hinterfragen, ob die Beziehung noch Bestand haben sollte und ob Liebe alleine wirklich reicht.
Du willst gerade oder grundsätzlich keine Beziehung
Im Übrigen kann es auch sein, dass Liebe zwar da ist, du aber gerade oder grundsätzlich keine Beziehung willst. Auch das ist vollkommen in Ordnung und schmälert die Liebe nicht. Eine Beziehung ist kein Beweis für Liebe. Und auch alleine zu sein oder eine andere Form der Verbindung ist eine vollwertige Wahl.
Deine Liebe ist echt – auch ohne Beziehung
Das alles heißt nicht, dass die Liebe nicht echt und wahrhaftig ist oder dass sie jetzt weggehen muss. Es zeigt nur, dass Liebe manchmal einfach nicht reicht, um mit einem Menschen zusammen zu sein. So schmerzhaft das auch sein mag.
Es kann sein, dass die Sehnsucht nach diesem Menschen bleibt oder die Gefühle mit der Zeit wieder abnehmen. Dass du von dem Menschen träumst.
Das macht dich nicht zu einem schlechten Menschen, sondern einfach zu einem, der das Herz weit geöffnet hat – und gleichzeitig genügend Bewusstsein in sich trägt, um zu verstehen, dass nicht aus jeder Liebe eine Beziehung werden muss.
Mehr über bewusste Liebe findest du hier: Liebe und Beziehungen jenseits von Normen und Regeln




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