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Warum wir über andere reden – und so selten über uns

  • 16. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Ich saß heute im Café und habe gelauscht – nicht absichtlich, aber in einem kleinen Raum mit vielen Menschen unausweichlich.

„Er tut mir so leid. Der arme Junge.“ am Tisch links von mir, „Hast du das von Susi gehört?“ auf der anderen Seite.

Und ich nippte an meinem Latte Macchiato und fragte mich: Wann haben wir eigentlich damit aufgehört, über uns selbst, und angefangen, nur noch über andere zu reden?


Kaffee im Vordergrund, unscharfer, gedeckter Tisch im Hintergrund

Über andere reden ist einfacher. Aber warum?


Hand aufs Herz: Wie viel redest du über dich selbst und wie viel über andere?

Hast du schon mal drüber nachgedacht?

Vielleicht weil wir uns sorgen. Weil wir mitfühlen, helfen wollen, für andere da sein wollen. Aber bist du auch für dich selbst da, wenn es dir schlecht geht?

Oder vielleicht, weil es uns irgendwie tröstet. Weil wir wissen wollen, dass wir nicht die einzigen sind, bei denen nicht alles rund läuft.

Oder – und das ist die unbequemste Version – weil wir einfach nicht bei uns sein wollen.


Solange ich über dich rede, muss ich nicht bei mir sein


Wenn ich die ganze Zeit nur über andere rede, bleibt jemand Wichtiges auf der Strecke: nämlich ich. Ich fülle die Zeit und den Raum zwischen uns mit fremden Geschichten. Aber warum?

Weil es sicherer ist. Solange ich über dich rede, muss ich nicht über mich reden. Solange dein Leben das Thema ist, bleibt meins unangetastet.

Und unbewusst bin ich froh darüber.


Kontrolle ist Angst in Verkleidung


Doch warum genau lenke ich von mir ab? Warum will ich nichts über mich preisgeben?

Wenn ich ganz genau hinspüre, fühle ich Angst. Angst davor, mich wirklich zu zeigen. Angst, dass du mich nicht verstehst. Dass du nicht meiner Meinung bist.

Wenn ich über andere rede, kann es nicht so leicht passieren, dass wir in Gewässer abdriften, die sich gefährlich anfühlen. Denn es betrifft ja nicht mich.

Über andere reden gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zu behalten. Aber Kontrolle ist meistens nur Angst in einem besseren Outfit.


Was wäre, wenn du kurz die Mauer runterlässt?


Aber was wäre, wenn du für einen kurzen Moment einfach mal du wärst? Wenn du dich selbst ins Rampenlicht rückst und zur Hauptfigur deines Gesprächs machst?

Vielleicht ist es unbequem. Vielleicht weißt du gar nicht, wo du anfangen sollst. Vielleicht merkst du, wie ungewohnt es sich anfühlt, gesehen zu werden.

Aber vielleicht empfängst du auch mitfühlende Worte. Einen Impuls, den du gebaucht hättest. Eine Verbindung, die tiefer geht als jede fremde Geschichte.



Über andere reden ist einfach. Es war schon immer einfacher.

Aber die Gespräche, die wirklich etwas verändern – die handeln von dir.

Wen suchst du dir für dieses Gespräch?


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