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Über Tabuthemen sprechen — und warum dein Schweigen andere unsichtbar macht

  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

„Darüber spricht man nicht." Dieser Satz sitzt tief. Egal, ob über Geld, Sex, Liebe außerhalb der Norm — alles, was anders gelebt wird, hat andere nicht zu interessieren und es schickt sich nicht, darüber zu sprechen.

Erst letztes Wochenende habe ich mich dabei erwischt, wie ich ins Grübeln gekommen bin, ob und wie viel ich mein nicht-konventionelles Liebesleben zensieren sollte. Und ob man sonst womöglich komisch über mich denkt? Was passiert, wenn ich einfach offen drüber spreche?


Definition von "taboo"

Woran du merkst, dass du Angst hast, frei zu sprechen


Es will dir einfach nicht über die Lippen gehen


Du fühlst zwar in dir diesen Wunsch, etwas mit jemandem zu teilen, aber wenn du es versuchst, kommen die Worte nicht über deine Lippen. Du fühlst vielleicht sogar diesen unsichtbaren inneren Widerstand. Egal, wie sehr du es aussprechen willst, — es geht nicht. Die Kehle wird eng, die Worte bleiben irgendwo stecken.


Deine Gedanken können nicht loslassen


Du steckst in einem Gedankenkarussell fest und kannst nicht aussteigen. Deine Gedanken kreisen permanent um ein Thema, aber nichts, was du tust, bringt dich da raus. Du kannst nachts nicht mehr schlafen und hast tagsüber keine ruhige Sekunde.


Du hast etwas öffentlich ausgesprochen — und jetzt kehren deine Gedanken permanent dorthin zurück


Du kannst auch im Nachgang erkennen, dass du noch nicht vollständig frei über etwas reden kannst. Wenn du etwas (öffentlich) geteilt hast und dir dann Gedanken darüber machst, was Menschen über dich denken könnten, wenn sie davon hören, bist du ebenfalls nicht frei.


Warum wir schweigen — und warum das evolutionär Sinn ergibt


Meistens schweigen wir aus Angst, Scham oder Schuldgefühlen. Diese Ängste und Gefühle sind etwas, die tief in uns drin stecken und irgendwann mal davor bewahrt haben, vor die Höhle gesetzt und vom Säbelzahntiger gefressen zu werden. Auch heute haben wir immer noch Angst davor, Ablehnung zu erfahren oder nicht mehr dazuzugehören. Heute stirbt zwar niemand mehr an Ablehnung — aber unser Nervensystem hat das noch nicht verstanden. Weil es so tief in uns verankert ist, fühlen wir immer noch diese große Angst davor, uns wirklich und wahrhaftig und in allen Facetten zu zeigen.


Was passiert, wenn wir nicht reden


Persönlich: Teile von uns fehlen


Wenn wir über etwas nicht reden, passiert bei uns persönlich folgendes: Wir leben einen Teil von uns selbst nicht. Wenn wir Angst davor haben, etwas nicht auszusprechen, unterdrücken wir eine Facette von uns und verlieren ein Stück Authentizität. Weil wir uns anpassen. Weil es leichter ist, mit der Masse mitzuschwimmen als andauernd anzuecken und Widerstand zu erfahren.


Kollektiv: Repräsentation fehlt


Was auch passiert, ist, dass anderen Menschen Repräsentation fehlt. Wir zeigen anderen nicht, dass sie mit ihren Themen nicht alleine sind. Menschen, die sich gerade erst entdecken, Menschen, die nicht wissen, was sie tun sollen oder mit wem sie sprechen können, Menschen, die sich alleine fühlen. Würden wir alle mehr über Dinge sprechen, die uns bewegen, über Dinge, die in der Gesellschaft als Tabuthemen gelten, und diese normalisieren, würden wir einen Raum öffnen, in dem wir mehr wir selbst sein können. Wir würden anderen die Chance geben, freier über sich selbst zu sprechen und Lösungen zu finden, statt alles mit sich selbst ausmachen zu müssen. Das Wertvollste, was wir also tun können, ist, offen über uns selbst zu sprechen, damit andere sich sicher genug fühlen, es auch zu tun.


Warum ich also weiterhin offen über Tabuthemen sprechen und schreiben werde


Wenn ich mich das nächste Mal frage, ob ich vielleicht weniger über mein Liebesleben oder meine unkonventionellen Ansichten teilen sollte, werde ich an die Teenie-Kim denken, die genau solche Informationen vielleicht schon früher in ihrem Leben gebraucht hätte. Ich werde weniger darüber grübeln, was andere von mir denken könnten, und mehr daran denken, dass meine Offenheit anderen Menschen helfen könnte. Selbst wenn es nur einer ist.



Mehr über eine gesunde Kommunikation findest du hier: Kommunikation in Beziehungen: Bedürfnisse, Grenzen und Verantwortung


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