top of page
Liebe ist nicht linear Insta Beeitrag (Banner (Querformat)).png

Mama werden und sich selbst verlieren – wie die Geburt unseres Kindes zu meiner eigenen wurde

  • 8. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Apr.

Draußen stoppte die Welt, weil ein Virus sie lahmlegte. Drinnen stoppte sie für mich, weil sich mein Fokus auf das kleine Wesen auf mir verlagert hatte. Mental präpariert, konnte ich herausfinden, was unser Neugeborenes wollte – trinken, schlafen, pinkeln, kuscheln –, doch emotional fühlte ich mich leer. Was war noch von mir übrig, wenn ich 24/7 die Bedürfnisse eines anderen stillen musste?


Foto von mir und meinem Kind am Strand

Ich dachte, ich bin vorbereitet. Ich hatte keine Ahnung.


Mentale Vorbereitung auf die Geburt ist schön und gut und ganz sicher wichtig. Ich hatte mich intensiv vorbereitet – Geburtshaus statt Krankenhaus, Stillen, Tragen, Schlaf, Abhalten. Ich hatte Bücher gewälzt und Kurse belegt. Und ich war überzeugt davon, dass ich weiß, was ich tue.

Was die äußerem Umstände anging, wusste ich das auch ganz sicher.

Wo ich allerdings nicht hingeschaut hatte, war mein Inneres. Ich hatte keine Ahnung, was die Geburt mit mir persönlich machen würde.


Mama werden und sich selbst verlieren: zwei Jahre – und am Ende wusste ich nicht mehr, wer ich bin


Ich wusste nicht mehr, wer ich war außer „Mama“.

Schlafentzug, Fremdbestimmung, Verantwortung ohne Pause – meine Tage waren geprägt davon, Bedürfnisse zu erfüllen, ohne meine eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Was das psychisch und emotional mit mir machte, war mir weder vorab noch währenddessen bewusst. Ich war in einen Modus des Funktionierens gerutscht, ohne es zu merken. Wenn man bedenkt, dass Schlafentzug eine Foltermethode ist, die schwere psychische und körperliche Schäden verursachen kann, sollte eigentlich alles klar sein. Und doch wird es irgendwie von einer Mutter erwartet, dass sie trotzdem funktioniert. Was es mit mir gemacht hat? Ich habe mich komplett verloren. Dabei wusste ich nicht mal, dass das passieren konnte: Mama werden und sich selbst verlieren.


Mein Kind zeigt mir täglich, was ich lieber nicht sehen würde.


Wenn du ein Kind bekommst, bekommst du nicht einfach ein neues Familienmitglied – du bekommst deinen höchstpersönlichen Spiegel. Vor der Geburt habe ich nicht wirklich bewusst an mir gearbeitet. Ich war fast ausschließlich im Verstand unterwegs, hatte auf alles eine wissenschaftliche Antwort und abgesehen davon, dass ich so langsam angefangen habe, meine Sexualität zu hinterfragen, habe ich ziemlich angepasst gelebt. Dann kam unser Kind und plötzlich musste ich mich tagtäglich Fragen stellen, ob ich entsprechend der Masse und der gesellschaftlichen Norm mit meinem Baby umgehen möchte, oder nicht. Und ich weiß nicht, ob da der Mutterinstinkt oder die gut unterdrückte Rebellin in mir durchkam, aber plötzlich begann ich Vieles zu hinterfragen – inklusive meiner eigenen Einstellungen und Themen.


Der Moment, an dem ich aufgehört habe zu funktionieren – und angefangen habe zu leben.


Der Tag, an dem die Eingewöhnung in die KiTa startete, gab mir meine persönliche Freiheit zurück – zumindest ein Stück davon. Was irgendwie ironisch ist, wenn man bedenkt, dass ich unser Kind so lange wie möglich aus der Fremdbetreuung raushalten wollte. Endlich mal wieder mehrere Tage am Stück einfach nur das tun zu können, was ich wollte, ohne den kleinen Racker als Schatten zu haben. In Ruhe Kaffee trinken, lesen, einfach für mich da sein – es fühlte sich an wie ein sonniger Tag im Frühling. Im Nachhinein frage ich mich, ob eine frühere Eingewöhnung vor allem für mich persönlich besser gewesen wäre, aber vielleicht wäre mir dann auch ein großes Stück Entwicklung flöten gegangen. Denn ganz ehrlich? Ich habe dieses tiefe Loch gebraucht, um zu erkennen, dass das Leben so viel mehr bereit hält. Und dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.


Gefühle? Habe ich jahrelang ignoriert. Sie mich nicht.


Das Ding mit Emotionen, die nicht gefühlt und stattdessen ignoriert werden, ist, dass sie dadurch nicht weggehen. Vielmehr bleiben sie im Körper in Form von Blockaden, die immer wieder angetriggert werden, wenn sie im Außen mit etwas in Resonanz gehen. Lange Zeit war ich einfach nur im Reaktionsmodus gefangen. Ich habe meine Gefühle jahre- bzw. jahrzehnte lang ignoriert und lieber auf das Außen reagiert. Als ich begann, mein Bewusstsein zu erweitern und mich selbst besser zu verstehen, kamen auch all die verdrängten Emotionen hoch und mein wahres Ich wurde Schicht für Schicht wieder freigelegt. Jede freigelegte Emotion weckte einen Anteil in mir, der irgendwann verschütt gegangen war.


Wenn du tiefer verstehen willst, wie die Beziehung zu dir selbst entsteht, findest du hier mehr: Die Beziehung zu dir selbst stärken – innere Verbindung, Selbstwert und bewusstes Wachstum.


Meine Geburt hat länger gedauert als die meines Kindes.


Während die Geburt meines Kindes nach knapp 24 Stunden durch war, habe ich mich knapp zwei Jahre durch meinen eigenen Geburtskanal gepresst – und das war erst der Start. Seitdem bin ich auf der Reise zu mir selbst. Denn der Weg zurück zu dir selbst hört nicht einfach auf, so wie sich die Entwicklung deines Kindes nicht mit der Geburt abgeschlossen ist.

Vielleicht kennst du das auch: Dein Leben zwingt dich dazu deine eigenen Bedürfnisse komplett über Bord zu werfen und du steckst in einem Tunnel aus Reagieren und Funktionieren fest. Doch was, wenn das der Startschuss zurück zu dir sein könnte?


Kommentare


Liebe.

Verpasse keinen Blogbeitrag.

© 2026 by Liebe ist nicht linear.

bottom of page