Entscheidungen richtig treffen – und warum du es längst kannst
- 13. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Jede:r kennt es: Eine wichtige Entscheidung steht an und der Kopf raucht. Dann muss die Pro-und-Kontra-Liste her, Tipps wie „eine Nacht drüber schlafen“ werden zu Herzen genommen und am Ende ist man trotzdem nicht schlauer. Schlimmer noch: Die Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, vergrößert sich mit jedem weiteren Tag.
Was aber, wenn die Antwort bereits in dir schlummert?

Und irgendwann hören wir auf zu fühlen …
Kinder wissen ziemlich genau, was sie wollen und was sie nicht wollen. Doch dann kommen wir Erwachsenen daher und meinen, es besser zu wissen. Zum Beispiel, ob eine Jacke notwendig ist oder nicht. Dass man, wenn es draußen kalt ist, besser nicht barfuß läuft. Was und wie viel gegessen werden sollte. Oder wie man sich im Spiel zu verhalten hat.
Was hier passiert, ist, dass konstant das Gefühl des Kindes übergangen wird. Je häufiger das passiert und je öfter eine Entscheidung des Kindes hinterfragt und korrigiert wird, desto geringer wird das Vertrauen in sich selbst.
Kinder lernen früh, dass es sinnvoller und richtiger ist, auf die Aussagen anderer zu hören und basierend darauf, Entscheidungen zu treffen, und dass es falsch ist, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.
Hiermit sind nicht Entscheidungen gemeint, in denen es um das Wohl des Kindes geht. Das können sie nicht immer korrekt einschätzen. Aber da dies meist nicht das einzige bleibt, wo wir uns einmischen, weil wir der Meinung sind, es besser zu wissen, lernt das Kind früh, auf eine äußere statt die innere Autorität zu hören.
Wenn der Verstand lauter ist als das Bauchgefühl
Vielleicht kennst du das auch. Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Verstand und die Wissenschaft als der heilige Gral angepriesen werden. Unser Kopf bestimmt, wie wir entscheiden und wie wir leben. Gefühle werden versucht zu unterdrücken, weil es zu anstrengend ist, jedes Gefühl einfach da sein zu lassen, und stattdessen darf die Ratio ans Steuer.
Tools wie Pro-und-Kontra-Listen sind ein Erzeugnis des Verstands. Natürlich können sie etwas klarer darstellen, aber ganz oft mischen dann außerdem Ängste oder Prägungen mit. Denn unser Verstand kann nicht unterscheiden, ob wir uns etwas nicht erlauben, weil wirklich Gründe dagegen sprechen, oder weil ein Glaubenssatz à la „Ich bin nicht gut genug.“ dahinter steckt. Unser Verstand mag das Bekannte. Er zieht seine Schlüsse aus dem Bekannten, aus dem Sicheren.
Was aber, wenn unser Bauchgefühl uns neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen würde?
Entscheidungen richtig treffen: Warum dein Weg nicht meiner ist
Im Human Design gibt es die sogenannte Autorität, die beschreibt, wie wir korrekt Entscheidungen treffen — und sie ist bei jedem Menschen anders. Manche brauchen Zeit und warten, bis sich die Emotionen gesetzt haben. Andere spüren es sofort im Bauch, im Moment, ohne Erklärung. Wieder andere finden ihre Antwort erst im Gespräch — nicht weil sie Rat suchen, sondern weil sie sich selbst zuhören müssen, wenn sie sprechen. Und dann gibt es Menschen, die einen ganzen Mondzyklus brauchen, um wirklich zu wissen.
Kein Weg ist besser oder schlechter. Sie sind einfach unterschiedlich.
Wenn du wissen möchtest, welche Autorität zu dir gehört: Im Netz gibt es kostenlose Chartrechner, die dir das direkt ausgeben. Und ich widme den unterschiedlichen Autoritäten noch einen eigenen Beitrag — weil jede es verdient, genauer beleuchtet zu werden.
Nicht jedes starke Gefühl ist Intuition
Selbst wenn man gelernt hat, wieder auf das eigene Gefühl zu hören statt auf den Verstand, und weiß, wie die Intuition eigentlich funktioniert, kann es trotzdem passieren, dass man nicht die korrekte Entscheidung trifft. Zum einen ist es ein Prozess, zurück zur Intuition zu finden, und zum anderen kann uns immer noch unser Ego dazwischenfunken. Denn manchmal wollen wir etwas so sehr, dass wir dieses starke Gefühl mit unserer inneren Stimme verwechseln — unser Ego meldet sich zu Wort.
Für mich war immer klar, dass unser Kind auf gar keinen Fall auf die Regelschule gehen soll, weil ich für das Schulsystem herzlich wenig übrig habe. Frontalunterricht, leisten und bewertet werden – alles nicht das, was ich unserem Kind wünsche. Bei der Suche nach einer geeigneten Schule sind wir schnell auf Alternativen gestoßen – und haben an einer einen Platz bekommen. Zunächst schien alles gut, bis eine Email von der Schule mir plötzlich ganz arg Bauchschmerzen verursachte. Wenn unser Kind an der alternativen Schule auch nicht zu 100% er selbst sein konnte, war es dann wirklich die bessere Alternative? Oder hatte ich mich in meinen eigenen Idealen verrannt?
Plötzlich wurde deutlich, dass zumindest zum jetzigen Zeitpunkt die Regelschule vielleicht doch die beste Option für unser Kind ist.
Und manchmal ist der Umweg der richtige Weg
Und manchmal treffen wir eine Entscheidung und sie entpuppt sich doch noch als die falsche. Aber ist sie wirklich so falsch? Oder vielleicht nur ein Umweg, der wertvolle Erfahrungen beinhaltet?
Bei der Wahl des Kindergartens unseres Kindes waren wir uns eigentlich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Wir hatten einen positiven Eindruck und ein gutes Bauchgefühl. Allerdings begann ein paar Monate später die Entscheidung Risse zu bekommen. Unser Kind fühlte sich nicht wohl und die Pädagog:innen versuchten verzweifelt, unser Kind in ihr altbewährtes System zu pressen. Und wir? Hörten auf unser Bauchgefühl und machten uns auf die Suche nach einer neuen Einrichtung.
Es war eine wirklich harte Zeit, aber hätten wir diese Probleme nicht gehabt und stattdessen eine mittelmäßige Einrichtung, hätten wir ganz sicher nicht den Waldorfkindergarten ein paar Ortschaften weiter entdeckt und unser Kind hätte die vermutlich zwei schönsten Jahre Fremdbetreuung verpasst.
Entscheidungen richtig zu treffen, können wir lernen
Oft drücken wir uns vor einer Entscheidung aus Angst, die falsche zu treffen. Doch was uns dabei bewusst sein sollte: Auch wenn wir nicht aktiv eine Entscheidung treffen, wird eine Entscheidung getroffen – nur eben im Zweifel nicht in unserem Sinne.
Entscheidungen richtig zu treffen, können wir lernen. Oder vielmehr: Entscheidungen falsch zu treffen, können wir auch wieder verlernen. Der Verstand ist schön und gut, aber in Entscheidungsfragen, darf er lediglich als Beobachter am Prozess teilhaben.
Wenn du dich selbst besser verstehen magst, lies hier weiter: Die Beziehung zu dir selbst – innere Verbindung, Selbstwert und bewusstes Wachstum.




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