Interview mit Gründerin Lea von Biweekly – das Gesicht hinter der Marke
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Bi+ Menschen sind statistisch gesehen keine kleine Gruppe – und trotzdem im Alltag oft kaum sichtbar. Genau an diesem Punkt setzt Biweekly an: ein Fashion-Label, das Bi+ Sichtbarkeit nicht auf den Pride Month beschränkt, sondern mit dezenten Statements auf biozertifizierter Baumwollkleidung in den Alltag holt.
Als ich Biweekly – und damit auch Lea – zum ersten Mal begegnet bin, habe ich direkt gespürt, dass hier ein Mensch ist, der wirklich etwas bewegen will. Im Interview erzählt Lea, wie Biweekly entstanden ist, woher der Name kommt, wie sie ihre eigene Bisexualität erlebt und warum Community für sie mehr ist als nur ein schönes Wort. Viel Freude beim Lesen!

Interview mit Gründerin Lea von Biweekly
Hi Lea, ich freue mich sehr, dass du heute zu Gast bei Liebe ist nicht linear bist. Ich liebe euer Start-up Biweekly – wie ihr Bi+ Sexualität so selbstverständlich sichtbar macht, den Community-Gedanken und die tollen Produkte!
Magst du uns kurz mitnehmen: Was macht Biweekly und wo steht ihr gerade?
Es freut mich auch total hier zu sein, danke für deine Unterstützung von Anfang an. Biweekly ist ein Fashion- und Accessoires-Online-Shop für Bis, Pans, Queers und Allies. Die Idee dahinter ist, die häufig unsichtbare Bi+ Community sichtbarer zu machen – sowohl ganz persönlich im Alltag als auch gesellschaftlich im größeren Ganzen.
Wir sind im Mai dieses Jahr mit unserem Shop gestartet und waren ehrlich gesagt total überwältigt von den positiven Reaktionen und den vielen lieben Nachrichten, die wir bekommen haben. Das hat uns das Gefühl gegeben, dass wir etwas geschaffen haben, das viele Menschen bislang vermisst haben.
Was mir außerdem wichtig ist: Alle unsere Produkte sind für alle Geschlechter designt. Der Großteil besteht aus zertifizierter Bio-Baumwolle und wird in Portugal produziert – also designed in Germany, made in Portugal.
Was war der Auslöser für Biweekly? Gab es einen konkreten Moment, in dem du wusstest, das braucht die Welt? Und woher kommt eigentlich der Name Biweekly?
In den letzten Jahren habe ich mich immer stärker in der Bi+ Community engagiert. Ich habe zunächst ehrenamtlich beim Bi+ Schweiz Verein mitgearbeitet und bin mittlerweile Teil des Vorstands. Dabei hatte ich immer das Gefühl, dass ich noch mehr für die Community tun möchte.
Als ich selbst auf der Suche nach Kleidung war, mit der ich meine Identität ausdrücken konnte, war ich ziemlich schnell frustriert. Die Auswahl war klein und das, was es gab, war entweder sehr plakativ und für meinen Geschmack nicht subtil genug oder qualitativ und nachhaltig einfach nicht das, was ich mir gewünscht hätte.
Obwohl ich vorher weder Erfahrung in der Modebranche noch im E-Commerce hatte, wusste ich irgendwann: Das möchte ich ändern.
Der Name Biweekly ist dabei ganz bewusst gewählt. Im Englischen bedeutet er „alle zwei Wochen“ oder „zweimal pro Woche“ – in jedem Fall steht der Begriff für etwas Regelmäßiges und Alltägliches. Genau das möchten wir auch mit unserer Marke ausdrücken: Kleidung für jeden Tag und nicht nur für besondere Anlässe wie den Pride Month. Denn je selbstverständlicher Bi+ Menschen im Alltag sichtbar sind, desto mehr Anerkennung und Verständnis kann langfristig entstehen.
Das Leben ist ja selten linear. Wo kommst du ursprünglich her – persönlich und beruflich?
Ja, da hast du allerdings recht. Ich komme ursprünglich aus Aachen und bin über viele Stationen über 5 Kontinente hinweg schließlich in Zürich gelandet. Verschiedene Kulturen haben mich schon immer fasziniert und diese Erfahrungen haben michmwas mich persönlich und beruflich sehr geprägt.
Vor sieben Jahren habe ich mein erstes Startup gegründet – ein community-basiertes Wohnkonzept, auf das ich bis heute sehr stolz bin und das weiterhin vielen Menschen ein besonderes Zuhause bietet.
Beruflich komme ich ursprünglich aus dem Marketing. Deshalb begeistert es mich besonders, starke Marken aufzubauen. Auch wenn meine Projekte auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirken, gibt es für mich immer einen gemeinsamen Nenner: Ich möchte Marken schaffen, die einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten. Das ist das, was mich antreibt.
Magst du über deine eigene Sexualität sprechen? Wie erlebst du sie und was hat dich geprägt?
Ich bin bisexuell und glücklich verheiratet. Dass ich bisexuell bin, habe ich schon als Teenager festgestellt. Trotzdem hat mich dieses Thema immer wieder durchs Leben begleitet. Es gab Phasen, in denen ich mich selbst hinterfragt habe, und dementsprechend auch Zeiten, in denen ich nach außen eher heterosexuell oder eben bewusster bisexuell gelebt habe.
Bis heute empfinde ich es teilweise als Herausforderung, bisexuell zu sein. Ich glaube, dass die gesellschaftliche Anerkennung dieser Identität in vielerlei Hinsicht noch am Anfang steht. Bisexuelle Menschen werden nach wie vor mit vielen Vorurteilen und Stigmata konfrontiert.
Gleichzeitig empfinde ich meine Bisexualität als eine große Bereicherung. Sie hat meinen Blick auf Menschen und Beziehungen erweitert und ermöglicht mir ein sehr offenes, facettenreiches Leben. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
Der Community-Gedanke zieht sich stark durch Biweekly. Was bedeutet Community für dich und wie entsteht sie rund um die Marke?
Mir ist wichtig, dass wir nicht einfach nur Kleidung verkaufen. Ich wünsche mir, dass Biweekly eine Bewegung ist. Eine Marke, die Menschen ermutigt, ihre Identität sichtbar zu leben, stolz auf sich zu sein und dadurch auch gesellschaftlich etwas zu bewegen.
Sichtbar zu sein ist nicht immer einfach. Deshalb versuchen wir als Community, mit gutem Beispiel voranzugehen – mit Humor, viel Aufklärung und einem positiven Blick auf Sichtbarkeit.
Langfristig wünsche ich mir, dass diese Community nicht nur online existiert, sondern sich auch offline Begegnungen schafft. Denn genau dort entstehen oft die schönsten Verbindungen.
Findet man Biweekly auch offline? Wenn ja, wo?
Ja! Diesen Sommer sind wir auf verschiedenen CSDs unterwegs. Gerade waren wir beim CSD in München, als Nächstes stehen Frankfurt, Berlin und Hamburg auf dem Plan.
Ein besonderes Highlight wird außerdem die Bi+ World in Amsterdam, wo wir am 30. Juli mit einer eigenen Show vertreten sein werden. Darauf freue ich mich riesig.
Langfristig hoffe ich, dass Biweekly nicht nur für Kleidung steht, sondern auch für Begegnungen – mit Events, bei denen Menschen zusammenkommen und Community wirklich erleben können.
Wo darf es für Biweekly in der Zukunft noch hingehen?

Wir stehen eigentlich noch ganz am Anfang. Biweekly ist erst seit zwei Monaten am Markt (siehe unseren Shop), und trotzdem haben wir schon unglaublich viel gelernt.
Als Nächstes möchten wir unsere Kollektion erweitern und noch vielfältiger werden – sowohl bei den Produkten als auch bei den Identitäten, die wir repräsentieren. Gerade pansexuelle Menschen sind aktuell noch zu wenig vertreten, das möchten wir unbedingt ändern. Außerdem ist mir Größeninklusion sehr wichtig, damit möglichst viele Menschen etwas finden, worin sie sich wohlfühlen.
Natürlich möchten wir auch international wachsen und in weitere Länder liefern. Aber das größte Ziel ist eigentlich ein anderes: Ich wünsche mir, dass wir Menschen dabei helfen, ihre Identität selbstbewusst zu leben. Und wenn Biweekly einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass Bi+ Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft wächst, dann wäre das für mich der größte Erfolg.
Gibt es etwas, das du den Leser:innen zum Schluss mitgeben möchtest?
Ich glaube, das Wichtigste ist: Es gibt keine Deadline, um bi zu sein.
Deine Identität hängt nicht von deinem Beziehungsstatus ab, nicht davon, wie viele Menschen davon wissen, wie alt du bist oder welchen Beruf du hast. Es ist nie zu spät, sich mit diesem Teil von sich selbst auseinanderzusetzen und sich selbst treu zu sein.
Bi zu sein kann manchmal herausfordernd sein. Gleichzeitig empfinde ich es als ein großes Geschenk. Und jedes Mal, wenn eine Bi+-Person sichtbar ist, macht sie es vielleicht einer anderen Person ein kleines Stück leichter. Genau das macht unsere Community so besonders.
Vielen Dank für das Interview, Lea!
Danke, liebe Lea, dass du dir die Zeit genommen und so offen über dich, deinen Weg und deine Vision gesprochen hast. Ich bin gespannt, wohin die Reise mit Biweekly noch geht.
Wenn du Lea, Biweekly und das ganze Team unterstützen möchtest: Schau in ihrem Shop vorbei oder folge Biweekly auf Instagram. Und wenn du sie diesen Sommer live erleben willst – auf den CSDs in Frankfurt, Berlin und Hamburg oder bei der Bi+ World in Amsterdam am 30. Juli – dann bist du herzlich willkommen.

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